Frage zu CD-Produktion / Cover-Song / GEMA

Im Archiv können keine neuen Beiträge erstellt werden.

Moderator: Mods

Antworten
unclebenz
Tripel-As
Beiträge: 236
Registriert: 03 Jan 2003 - 14:18

Frage zu CD-Produktion / Cover-Song / GEMA

Beitrag von unclebenz » 19 Jun 2005 - 14:15

Hallo,

ich und die Band, für die ich produziere, stehen vor einem Problem.

Wir machen eine CD-Produktion mit geringer Auflage (500 Stück). Die Band ist nicht bei der GEMA. Auf der CD ist aber ein Song von The Kinks. Dieser wurde auch noch nicht-originalgetreu eingespielt, sondern etwas anders.

Wenn ich es richtig verstanden habe, müssten wir also 60 Cent pro CD an die GEMA zahlen, und bekommen davon nichts zurück, weil die Band selbst nicht bei der GEMA ist. Zudem habe ich erfahren, dass wenn wir die GEMA informieren, wir den Song gar nicht publizieren dürfen, weil der nicht originalgetreu eingespielt wurde (Text-Versprecher etc).

Frage: Was sollen wir tun?

a) Einfach nichts bei der GEMA melden und ein Bisschen Risiko eingehen? Wenn die es dann bemerken, kriegen wir eine Strafe aufgebrummt? Meine Pläne, mich mit dieser Produktion bei der GVL als Label anzumelden, kann ich dann wahrscheinlich auch knicken, nicht wahr?

b) Die Band-eigenen Songs auch bei der GEMA anmelden? Wir befürchten, dass dann kleinere Auftritt-Orte absagen könnten, weil die manchmal keine Lust auf die GEMA Gebühren haben. (verständlich) Und dann laufen wir wie vorhin gesagt Gefahr, dass die GEMA uns den Song komplett untersagt, weil der nicht originalgetreu eingespielt wurde, nicht wahr?

Was gibt es für Alternativen? Wie finde ich heraus, wer der Lizenzinhaber für den Song ist? "The Kinks - All Day And All Of The Night" Könnten wir mit dem Einverständnis des Verlags (wenn man ihn finden und kontaktieren könnte) auch komplett die GEMA umgehen? Und zwar so, dass das CD-Presswerk da auch mitmacht? Die wollen ja immer einen GEMA Schrieb haben.

Bin für Tipps sehr, sehr dankbar.
Benutzeravatar
filmklang
König
Beiträge: 753
Registriert: 01 Jul 2002 - 16:54
Logic Version: 9
Wohnort: Kassel
Kontaktdaten:

Beitrag von filmklang » 19 Jun 2005 - 14:23

Mein Tipp: Nehmt den Song von der CD, dann könnt ihr GEMAfrei produzieren, braucht natürlich für die Produktion eine entsprechende Bestätigung von der GEMA.

Wenn ihr den Song unbedingt draufhaben wollt, solltet ihr dringend den Rechteinhaber kontaktieren, ob er zu eurer Version sein Einverständnis gibt, das hat aber nichts mit der Gema zu tun, da die Gema für das Eintreiben der Tantiemen für diesen Song den Auftrag bekommen hat, müsst ihr in jedem Fall die entsprechenden Gebühren abführen.
Gruss Till
http://till-mertens.de
imac-intel core i3 / 3,2 GHZ, Powerbook G4 1 GHZ, RME Fireface 400, Yamaha C3 Flügel, Korg MS 20, Roland D 50
unclebenz
Tripel-As
Beiträge: 236
Registriert: 03 Jan 2003 - 14:18

Beitrag von unclebenz » 19 Jun 2005 - 14:42

Und ist es denn wahr, dass wir dann für den einen einzigen Coversong 60 Cent pro CD (*würg*) blechen müssten, von denen wir keinen einzigen Cent jemals wiedersehen?
Benutzeravatar
bmc desgin
Stamm User
Beiträge: 4614
Registriert: 19 Jun 2003 - 11:56
Logic Version: 99
Wohnort: Berlin, Germany

Beitrag von bmc desgin » 19 Jun 2005 - 19:22

die 60cent (welche übrigens 78 sind) müsst ihr auf jeden fall bezahlen, da dies nichts mit der gema-rechte-mässig zu tun hat, sondern mit der vervielfältigung des tonträgers (di ja über die gema und auch gvl abgerechnet wird)...

was die cover-version anbelangt, solltet ihr den verlag der band schreiben (zu in etwa: wir möchte...coverversion von song bla... hier das demo...)...
wenn ihr die genehmigung habt, dann diese mit der anmeldung des songs von euch bei der gema einreichen - und kein probleme...



cheers
:D
DU - BIST LOGICUSER.DE
Aram
Routinier
Beiträge: 303
Registriert: 03 Jan 2004 - 2:45

Beitrag von Aram » 19 Jun 2005 - 23:00

ein paar Tips:
- macht keine illegalen Sachen (also laßt den Song weg, wenn ihr keine Bearbeitungsgenehmigung habt). Das könnte sehr teuer werden.
- besorgt euch mal ein Buch zu GEMA und Urheberrecht
- wenn dann nicht alles klar ist, macht einen Termin bei der GEMA und laßt euch informieren
- wie ihr irgendeinen professionelle Anspruch habt, meldet eure eigenen Songs bei der GEMA an. Langfristig lohnt es sich in jedem Fall.

Aram
Benutzeravatar
blinkmuffel
Lebende Forenlegende
Beiträge: 1982
Registriert: 19 Sep 2004 - 19:20

Beitrag von blinkmuffel » 20 Jun 2005 - 7:12

hallo,

von hier noch ein paar anmerkungen (auch auf die gefahr hin, dass manches hier schon steht):
Zudem habe ich erfahren, dass wenn wir die GEMA informieren, wir den Song gar nicht publizieren dürfen, weil der nicht originalgetreu eingespielt wurde (Text-Versprecher etc).
du wirfst zwei dinge durcheinander: die gema kann euch nicht erlauben oder verbieten, fremde songs zu verändern. das können nur die verlage bzw. künstler selbst. ob ihr die gema informiert oder nicht, spielt also für dürfen oder nicht dürfen keine rolle.
- die gema kassiert geld von allen gewerblichen "musiknutzern" (konzertveranstelter, plattenfirmen, radiosender etc) und verteilt dies an die "musikschöpfer" (komponisten und texter).
- wenn ihr eine cd mit eigenen songs veröffentlicht, seid ihr sowohl plattenfirma als auch komponist. daraus folgt, dass ihr als plattenfirma erstmal geld an die gema abführen müsst (die gema geht zunächst davon aus, dass jede musik gema-pflichtig ist). das sind dann wohl die 60 cent.
- die gema prüft aufgrund eurer angaben, ob die songs gema-pflichtig sind. sind alle songs gema-pflichtig (weil ihr eben selbst gema-mitglied seid), verteilt die gema das geld entsprechend an die urheber (behält aber selbst ca. 10% ein).
- wenn die songs nicht gema-pflichtig sind, erstattet euch die gema natürlich die im voraus gezahlten gebühren.
- beispiel: 12 songs pro cd, 1 davon gema-pflichtig, gebühr pro cd 60 cent: ihr zahlt zunächst 60 cent und bekommt 55 cent später zurück. im endeffekt zahlt ihr also 5 cent pro cd.
Die Band-eigenen Songs auch bei der GEMA anmelden? Wir befürchten, dass dann kleinere Auftritt-Orte absagen könnten, weil die manchmal keine Lust auf die GEMA Gebühren haben.
ich habe bestimmt schon 200 konzerte in kleinen clubs gespielt und bin noch nie danach gefragt worden, ob ich gema-mitglied bin oder nicht (zumindest nicht im vorfeld). darüber hinaus werden für den veranstelter die gema gebühren nicht deshalb fällig, weil ein gema-mitglied auftritt, sondern weil songs gespielt werden, die ein gema-mitglied geschrieben hat. wenn ihr also nicht in die gema eintretet und den ganzen abend kinks-songs spielt, muss der veranstalter volle gema-gebühr zahlen. wenn ihr dagegen gema-mitglied seid und behauptet, ihr hättet den ganzen abend lieder gespielt, die mein vater geschrieben hat, bräuchte er nichts zahlen.
Könnten wir mit dem Einverständnis des Verlags (wenn man ihn finden und kontaktieren könnte) auch komplett die GEMA umgehen?
nein, wie gesagt, das sind 2 paar schuh.

ich hoffe, etwas licht ins dunkel gebracht zu haben!

gruß
pianojoe
Mitglied
Beiträge: 30
Registriert: 05 Feb 2004 - 1:04
Logic Version: 0

Und jetzt die Fakten:

Beitrag von pianojoe » 10 Feb 2009 - 10:46

Kurzfassung

Wenn ihr das Original nur leicht verändert habt, dürft Ihr den Song veröffentlichen, solange ihr die Veränderungen an sich nicht als Urheber geltend macht. (Sonst müsste der Original-Songwriter erst zustimmen.)

Die GEMA will nur Geld für die Lieder, die zum GEMA-Repertoire gehören, d.h. deren Songwriter Mitglied der GEMA sind — oder einer ausländischen Gesellschaft, die dort das gleiche wie die GEMA tut.

Da aber laut Rechtsprechung die GEMA davon ausgehen darf, dass "im allgemeinen" Songs aus dem GEMA-Repertoire gepresst werden, besteht sie darauf, das zu prüfen. Du musst die Produktion bei der GEMA anmelden, die GEMA checkt die Titel mit ihrer Datenbank, sagt dann "OK, für einen der Titel wollen wir Kohle, die anderen gehen uns nichts an." und erteilt dem Presswerk die Freigabe. Ohne diese (kostenlose) Freigabe der GEMA darf das Presswerk nicht pressen, auch wenn kein einziger Song aus dem GEMA-Repertoire stammt. Ein halbes Jahr später schickt die GEMA Euch eine Rechnung über die Gebühren. Bestimmt habt ihr dann genug Scheiben verkauft, um das abzufedern.

Habt Ihr schon mal dran gedacht, den ganzen Papierkram an ein Label abzudrücken? Dann gibts so schöne Sachen wie LC-Code, EAN-Barcode, ISRC-Code, Rundfunkbemusterung, iTunes, bundesweiter Einkaufskatalog, iTunes, Media Markt… und nicht zuletzt Rabatt bei der erwähnten GEMA-Gebühr, weil das Label zu Industriekonditionen abrechnen darf.

Guckst Du hier: http://records.pianojoe.de/uber_uns.php
pianojoe
Mitglied
Beiträge: 30
Registriert: 05 Feb 2004 - 1:04
Logic Version: 0

Re: Frage zu CD-Produktion / Cover-Song / GEMA

Beitrag von pianojoe » 10 Feb 2009 - 10:57

[quote="unclebenz"]
Frage: Was sollen wir tun?

Einfach nichts bei der GEMA melden und ein Bisschen Risiko eingehen? Wenn die es dann bemerken, kriegen wir eine Strafe aufgebrummt?[/quote]

1.) Presswerk darf nicht pressen ohne das die GEMA ihr OK gibt. Auch wenn kein GEMA-Song drauf ist. 2.) Ja, GEMA betrügen gibt saftige Strafen.

[quote="unclebenz"]
Meine Pläne, mich mit dieser Produktion bei der GVL als Label anzumelden, kann ich dann wahrscheinlich auch knicken, nicht wahr?
[/quote]

Was bringt Dir die Anmeldung als Label? Das kostet nur unnötig Geld. Wenn Du es richtig machen willst, musst Du in ein paar Branchenverbänden Mitglied sein, die Dich locker einen Tausender im Jahr kosten. Besser wäre, ein kleines *faires* Label zu finden.

[quote="unclebenz"]
b) Die Band-eigenen Songs auch bei der GEMA anmelden? Wir befürchten, dass dann kleinere Auftritt-Orte absagen könnten, weil die manchmal keine Lust auf die GEMA Gebühren haben. (verständlich) Und dann laufen wir wie vorhin gesagt Gefahr, dass die GEMA uns den Song komplett untersagt, weil der nicht originalgetreu eingespielt wurde, nicht wahr?
[/quote]

Das mit den Auftrittsorten ist in der Tat ein Problem. Aber letztendlich zahlt der Veranstalter die GEMA aus seinem Gewinn, d.h., wenn er GEMA zahlen muss, kriegt ihr (wahrscheinlich) weniger Gage, aber dafür (verdammte 18 Monate später) Kohle von der GEMA (abzüglich Bearbeitungsgebühren). Den Song dürft ihr covern, solange ihr ihn nicht "entstellt" (steht so im Gesetz) und ihr die Veränderungen nicht selbst urheberrechtlich geltend macht.

[quote="unclebenz"]
Was gibt es für Alternativen? Wie finde ich heraus, wer der Lizenzinhaber für den Song ist?[/quote]

Auf der GEMA-Homepage? (Kein Witz: Stichwort Repertoiresuche.)

[quote="unclebenz"]
Könnten wir mit dem Einverständnis des Verlags (wenn man ihn finden und kontaktieren könnte) auch komplett die GEMA umgehen?[/quote]

Nö. Der Komponist hat das Vervielfältigungsrecht exklusiv an die GEMA abgetreten. Nur die GEMA kann Dir erlauben, das Werk zu vervielfältigen. Der Verlag ist in Deutschland nur für andere Dinge zuständig, anders als zB in den USA, wo Du Dich in der Tat an den "Publisher" wenden müsstest.


Bin für Tipps sehr, sehr dankbar.
Antworten